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Die Zahlen sprechen für sich: Über 85 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Die GKV gilt demnach als eine der wesentlichen Pfeiler unseres Sozialversicherungssystems. Dagegen sind nur ca. 10,5 Prozent in privaten Krankenversicherungsystemen (PKV) versichert. In den folgenden Abschnitten werden Sie Grundsätzliches zu den strukturellen Unterschieden von GKV und PKV erfahren; im Mittelpunkt wird aber die Frage stehen, ob und welche Möglichkeiten es gibt, einen Wechsel von den privaten zur gesetzlichen Krankenkasse vorzunehmen.

Unterschiede der Versicherungssysteme

Strukturelle Unterschiede beider Versicherungsformen finden sich insbesondere in der Frage der Beitragsbemessung: Während bei den gesetzlichen Krankkassen die Leistungskraft des Versicherten im Vordergrund steht, also in der Hauptsache die Einkommensverhältnisse, ist es bei der privaten Kassen so, dass die zu entrichtenden Starttarife nach den persönlichen Krankheitsrisiken bemessen werden (unter anderem das Alter, Geschlecht, der Gesundheitsstatus, auch der Beruf). Einkommenslose Familienmitglieder zahlen in der GKV keine Beiträge, während bei den Privatkassen für jedes zu versicherernde Familienmitglied Tarife erhoben werden. Wo bei den gesetzlichen Kassen das sogenannte Prinzip der “Sachleistung” vorherrscht, was bedeutet, dass die Kasse Arztkosten, Krankenhausaufenthalte, Operationen u. a. übernimmt und bezahlt, müssen von der Patienten bei der PKV im Allgemeinen die Rechnungen zunächst selbst beglichen werden; die Privatkasse erstattet dann auf Antrag diese Kosten.

Wechsel von der PKV zur GKV

Für jüngere und gut verdienende Versicherte oder Singles erscheint daher die Mitgliedschaft in einer PKV wegen der Tarifkritierien zunächst günstiger, weil u. a. zusätzlich ein besseres Leistungsangebot lockt; mit zunehmendem Alter ändern sich aber nicht selten, u. a. wegen der Änderung der familiären Verhältnisse, die Voraussetzungen, unter denen in jüngeren Jahren ein Vertrag mit einer Privatkasse abgeschlossen wurde. Während bei einem Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse keine grundsätzlichen Probleme bestehen, liegen die Verhältnisse im umgekehrten Falle anders und müssen differenzierter betrachtet werden.

Ein PKV Wechsel ist bei Selbstständigen nur erschwert möglich. Bleiben Sie bei der selbsständigen Tätigkeit, ist ein Wechsel zu den gesetzlichen Kassen ausgeschlossen. Falls Sie aber die Selbstständigkeit aufgeben und wieder als Arbeitnehmer tätig oder arbeitlos werden, ist ein Wechsel durchaus angezeigt, falls die Einkommensverhältnisse dann nicht die entsprechden gesetzlichen Einkommenshöchstgrenzen (siehe weiter unten) überschreiten.

Arbeitnehmer, die von der PKV zur gesetzlichen Krankenkasse wechseln möchten, müssen unterhalb des sogenannten Pflichtversicherungsgrenze, also der “Jahresarbeitsentgeltgrenze”, bleiben. Diese ist für das Jahr 2011 im Sozialgesetzbuch (SGB) auf Euro 4125,– monatlich (jährlich 49500 Euro) festgelegt. Sie müssen bei einem Wechsel zur gesetzlichen Krankenkasse unbedingt Ihren Arbeitgeber informieren, damit er die Beiträge entsprechend abführen kann.

Wenn Sie arbeitlos geworden sind, haben Sie hinsichtlich eines Wechsels zur GKV keine Probleme: Sie können ohne Schwierigkeiten in eine gesetzliche Kasse gehen, vorausgesetzt, Sie haben Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Bei Versicherten mit einem Lebensalter von über 55 Jahren gibt es keinen Anspruch mehr auf eine Veränderung der Krankenversicherungssysteme. Auch wenn Sie unter die o. a. Pflichtversicherungsgrenzen fallen oder arbeitlos geworden sind, bestehen hier keine Chancen, einen Wechsel in die gesetzlichen Kasse zu versuchen.

Fazit

Ein Wechsel zwischen den Versicherungssystemen ist wegen der unterschiedlichen Strukturen der gesetzlichen und privaten Kassen und der gesetzlichen Grenzen, denen ein solches Vorhaben besonders bei einem Wechsel von der privaten Kasse zu den gesetzlichen unterworfen ist, nicht immer unproblematsich. Wenn die Voraussetzungen, die oben benannt wurden, erfüllt werden, sollte man einen derartiger Wechsel aber durchaus nicht scheuen und in Angriff nehmen.


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